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Erster Eintrag - Geschichtliches

Ich wuchs in einer Stadt auf. Immerlund in den Silbermarken. Mein Vater war ein rechtschaffener Handelsmann und hatte ob seiner Arbeit für die Stadt gute Chancen darauf in den Rat der sechs Ältesten gewählt zu werden. Mutter hatte ein gutes Herz, wenngleich sie ihre Fähigkeit zu gebären nach meiner Geburt eingebüßt hatte. So versuchte sie doch stets mich auf dem rechten Weg zu halten. Ich denke, ich habe den richtigen Weg eingeschlagen. Aber beginnen wir doch von vorn. Am Anfang meiner Geschichte.

Meine Kindheit war geprägt von vielen neuen Freunden, Spielzeug und neuen Dingen, die meine Eltern mir mitbrachten, wenn sie denn von Reisen wieder kamen. Damals war Vater noch Handelsreisender und sah viele Gebiete in den Silbermarken und auch außerhalb dieser. Einmal war er sogar auf den Mondschein-Inseln und hatte gar wundersame Geschichten zu erzählen. Ich lebte ein ruhiges Leben, bekam sehr früh meinen Privatlehrer und ging nur in Begleitung auf die Straße. Meine Eltern taten wirklich alles um mich zu schützen, auch wenn es hier kaum etwas gab vor dem man geschützt werden musste, bis auf die Trolle, Riesen und den Wald. Ja, der Wald war das größte Problem aber jeder der auch nur versucht hatte ihn zu erforschen war nie wieder zurück gekehrt. Zumindest war es das, was man sich unter uns Kindern erzählte.

Es war ein warmer Sommertag und am Mittag zogen sich die Wolke zusammen über Immerlund. Die Händler brachten ihre Waren schnell in Sicherheit, nur damit nichts vom Regen durchnässt werden würde und ich stand auf dem Marktplatz meine zwei Wächter links und rechts neben mir. Kyrian und Mark. Ich fand schon immer, dass Mark ein dummer Name war, und er war das perfekte Beispiel dafür. Muskel bepackt und groß. Dunkelbraunes Haar, breites Gesicht und was er auf den Armen hatte, fehlte ihm im Kopf. Kyrian hingegen war anders. Er erzählte oft Witze um mich aufzuheitern, wenn es mal wieder viel zu früh nach Hause ging, über die Mark mit seiner rauen starken Stimme losprustete obwohl er sie nicht verstand. Warum ich mir so sicher bin dass er es nicht tat... Ein Beispiel...

"Ein Jäger und ein Waldläufer", so berichtete Kyrian mit seiner melodisch sanften Stimme, " trafen sich zur Jagd und brachen in den Wald auf. Sie trennten sich und schon bald sah der Jäger es im Unterholz rascheln." Mark und ich waren mucksmäuschenstill. Keiner von uns wollte Kyrian jemals in seiner Erzählung unterbrechen. "So legte der Jäger als einen Pfeil auf die Sehne, zielte und schoss. Woraufhin es im Unterholz ruhig wurde. Eilig begab er sich dorthin um zu sehen was er erlegt hatte. Es war der Waldläufer, den er getroffen hatte." Mark brüllte los. Kyrian und ich sahen uns nur verständnislos an und er strich sich über das lange feuerrote, nach hinten zusammengebundene Haar. "Ich war noch nicht fertig Mark."
Mark stutzte und schaute ihn grinsend an. "'tschuldige", brummte er mit seiner Bärenstimme.
"Also... Der Waldläufer war schwer getroffen und so brachte ihn der Jäger zurück nach Immerlund und dort sofort zu einem Heilkundigen. Dieser betrachtete den Waldläufer und fuhr dann den Jäger empört an: 'Warum musstet ihr ihm auch noch die Haut abziehen, nachdem ihr ihn angeschossen hattet?!'"
Ich lachte und Kyrian stimmte mit ein. Erst nach wenigen Sekunden gesellte sich das brummige Lachen von Mark dazu und Kyrian und ich begannen mit Mark über Mark zu lachen. Es war eine schöne Zeit.

Doch an genau diesem Tag geschah, was ich nicht für möglich gehalten hätte, oder... nun doch. Ich hatte es für möglich gehalten, aber nicht geglaubt, dass es so etwas in Immerlund geben würde. Eine Karawane hielt auf dem Marktplatz und schon stiegen zwei Clowns aus dem ersten Wagen und begannen lauthals zu schreien, sich regelrecht anzupreisen: "Hört her! Hört her! Diesen Abends und des folgenden Abends werden wir kampieren und spielen für euch um euch zu amüsieren! Wir zeigen euch die Kunst des Biegens und des Brechens, der Zauberwirkens und des Sprechens. Wir bieten euch auch Speis und Trank, woll'n nur ein Silberstück zum Dank!"
Ich schmunzelte, Gaukler. Und dann kam sie.
Sie war ein Engel. Atemberaubend schön und elegant gekleidet. Und während Mark noch lachte, sah Kyrian sie auch. Er war älter als ich, sicher schon 20, ich erst 17 und ihm sah man den Bart schon deutlicher an als mir, wenngleich er ob seines Berufs nicht die Ausstrahlung hatte. Wir beide, Kyrian und ich, waren verloren in ihren goldgelben Augen, ihre Haut wie weißer Sand sah so weich aus und erst das silberfarbene samtgleiche Haar. Einfach wunderschön. Kyrian knuffte mich in die Seite und boxte dann Mark an die Schulter. "Lasst uns das heute ansehen. Wäre doch mal was zur Abwechslung." Ich nickte und sah ihn strahlend an. "Danke das du uns einlädst." Wir lachten und gingen gemeinsam zurück nach Haus. Heute abend würde ein schöner Abend werden.

~

Es war soweit. Der Abend war gekommen und nach einer angenehmen Trainingsstunde mit Kyrian war ich so energiegeladen, dass der Abend nur noch ein Erfolg werden konnte. Und so sollte es auch sein. Mark und Kyrian begleiteten mich zum Marktplatz, wo sich die Gaukler auch schon nahezu häuslich eingerichtet hatten. Sie hatten eine kleinere Tribüne aufgebaut und einige Reihen an Bänken vor diese platziert. Um die Bühne herum waren einige Fackeln entzündet worden und der Regen des Mittags hatte sich in einen fast wolkenlosen Nachthimmel verwandelt.

Über Immerlund legte sich eine Wolke aus Heiterkeit, die einen, wenn auch nur für kurze Zeit die Sorgen des Alltags vergessen ließ. Kyrian und ich setzten uns in die vorderste Reihe, Mark platzierte sich eine Reihe hinter uns und brummte leise vor sich hin, bis die Vorstellung begann. Es war nichts besonderes. Anders als mein Vater es immer gern erzählte war dies kein einstudiertes Theaterstück sondern sehr frei in seiner Gestaltung. Viele der Geschichten schienen aus fernen Ländern zu stammen. Eine Erzählung handelte sogar von einem roten Zauberer aus Tai, der sich einen Leviatan stellte und ihn bezwang. Diese Erzählungen wurden untermalt von dem Schauspiel einiger Mitglieder der Gaukler, die immer wieder in den wundersamsten und exotischsten Kostümen die kleine Bühne betraten. Zwischen den Vorführungen erheiterten die zwei Ausrufer die Leute mit lustigen Liedern und bald schon stimmten sie Lieder an zu dem jeder den Text wusste und mit sang.
Doch während des ganzen Abends sahen wir den Engel nicht.
Wir wussten nicht wie sie hieß oder wer genau sie war, aber wir wussten, dass sie heute abend noch keinen Fuß ins Licht der Fackeln gesetzt hatte, was uns ob ihrer Anmut und Schönheit sehr seltsam vor kam.
"Und so möchten wir uns bedanken", stimmten die beiden Ausrufer ein, "für euer zahlreiches Erscheinen."
"Vielleicht bleibt es euch in Gedanken, was wir jedoch sehr sicher meinen."
"Doch seht!", schrie der Erste aus und deutete hinter die Reihen der Zuschauer. Jeder wandte sich um und sah die Gestalt in weißem Umhang mit einer Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Langsam schritt sie auf die Tribüne zu, auf der die Fackeln gelöscht wurden und als sie diese bestieg war es nur noch der Mond, der sein fahles Licht von oben hinab fallen ließ.
Im Zwielicht erkannte man, dass der Umhang von den Schultern der Person abgestreift wurde und langes helles Haar locker über ihre Schultern hinab fiel. Ein Raunen ging durch die Menge und übertönte das leise Flüstern, welches von der Bühne her zu unseren Ohren drang.
Dann geschah es. Erst waren es nur kleine Funken, die durch die Nacht gen Himmel stoben. Dann jedoch wurden es die wundersamsten Farben, die über unseren Köpfen nach oben getrieben wurden und sich wie ein Regenbogen über uns erstreckten. Währenddessen wurde vor der Tribüne ein Stuhl aufgestellt, auf dem ein Barde begann sein Lied zu spielen. Es klang fremd, wild, leidenschaftlich und voller Feuer. Und ebenso feurig wurde der Rest der Aufführung. Ihre Hände, die Hände unseres Engels gingen in Flammen auf und während sie tanzte, wirbelte sie umher und das Feuer legte sich um sie wie zweiter Mantel, färbte ihre weißes Kleid und helles Haar in ein leuchtend warmes Rot. Selten hatte ich so etwas erblickt und ein kurzer Blick zu Kyrian, dessen Augen noch nie so geleuchtet hatten wie in diesem Moment, verriet mir, dass es für ihn ebenso war. Doch wie alles im Leben ging auch dieser Tanz vorbei und die Fackeln wurden wieder entzündet. Sie verbeugte sich und erntete tosenden Applaus. "Wir danken der entzückenden Sheluna Abendglanz für ihre Darbietung eines Tanzes im Sinne der Sune!", sie verbeugte sich und es wanderten erstaunlich viele Münzen in eine Schale, die herum gegeben wurde.
Dann verlor sich der Festplatz in ein kunterbuntes Treiben und Kyrian beugte sich zu mir hinüber. Er lächelte keck und raunte mir mit seiner heiteren Stimme zu: "Geht schon mal vor. Ich komme später nach." Mark brummte nur zur Zustimmung und legte mir eine Hand auf die Schulter um mich vorwärts nach hause zu Schieb-Zerren. Über die Schulter hinweg sah ich wie sich Kyrian rotbrauner Haarschopf der Traube aus Leuten näherte und darin verschwand. Ich murrte leise vor mich hin und sah zu Mark auf, der jedoch stur Kyrians Anweisung befolgte und mich nach Hause brachte.
Er schob mich durch das Portal und erst als ich vor dem verschlossenen Haupttor stehen blieb, die Arme vor der Brust verschränkt, sah er zu mir hinab und fragte mich: "Eh, Kleina, wassn los hm?"
"Ich wollte noch gar nicht weg."
"Naah. Is doch nich schlimm. Kannst ja morgen nochma hin."
"Ja. Aber... ich hab doch heute Geburtstag... also... es ist doch schon morgen oder? Dann habe ich Geburtstag und dann willst du mir doch bestimmt etwas schenken. Nicht wahr?"
Es war so leicht Mark zu beeinflussen. Er brummte wie erwartet zustimmend.
"Na siehst du. Dann schenkst du mir, dass ich noch einmal kurz zum Festplatz zurück kann."
Das tiefe Brummen aus Marks Richtung bedeutete wohl dass er damit nicht zufrieden war. "Ich komm aba mit. Ne? Is klaa."
Ich seufzte, nickte dann jedoch. "Gut, aber halt Abstand."

Ich legte die Strecke zum Marktplatz erstaunlich schnell zurück, wollte ich sie doch noch einmal sehen. Ihr selbst für dieses Schauspiel danken. Aber als ich ankam hatte sich der Platz bereits geleert. Es waren kaum noch Leute vor Ort. Nur einer der Gaukler lehnte gegen einen der Wagen und zog an einer Pfeife.
"Entschuldige, weißt du wo ich die Tänzerin Sheluna finde?", fragte ich ihn. Er warf mir kurz einen musternden Blick zu, und deutete dann auf das Flussufer. Dort sah ich in der Dunkelheit entgegen dem Fackelschein nur zwei Personen stehen. Sie gingen und bald schon schlenderten sie die Böschung des Ufers hinab, verschwanden so aus meinem Blickfeld. Ich wollte ihnen nachgehen, sah mich jedoch vorher noch einmal prüfend um und entdeckte Mark, wie er gerade zwei Gauklern bei der Arbeit half und die Bänke zusammen räumte. So schlich ich mich zu der Böschung und suchte Deckung in der Dunkelheit der Brücke. Sie bemerkten mich zum Glück nicht. Ich hingegen war in der Lage, alles zu sehen was sich mir bot.
Mein Magen zog sich zusammen als ich sah, wie Kyrian ihr einen Geldbeutel in den Schoß fallen ließ, sie daraufhin herzlich lachte und ihn in die Arme schloss. Es war keine freundschaftliche Umarmung was ich dort sah. Es war mehr. Weit mehr und ich war nicht in der Lage die Blick abzuwenden.
Mir wurde speiübel als ich erkannte welche Leidenschaft dort ihre Auslebung erfuhr und wer sich dort vergnügte.
Sie tollten herum, wälzten sich auf der Uferböschung und schienen beide dem jeweils anderen sehr zugeneigt zu sein. Ich hingegen schluckte schwer und konnte mich nach einer Ewigkeit in der ich im Schatten der Brücke gehockt hatte, losreißen und über den Marktplatz nach hause rennen. Kurz bevor ich dort ankam, erleichterte ich meinen Mageninhalt in dem Gebüsch eines Wäldchens nahe meines Heimes. Dort griff mich Mark auch wieder auf.
Und dieses eine Mal, war ich sehr froh darüber, dass er nichts sagte, sondern mich einfach nur nach Hause brachte.

~

Am nächsten Morgen, nachdem ich unglaublich schlecht geschlafen hatte und es der grausamste Geburtstag meines Lebens werden würde, klopfte ich an Kyrians Zimmertür. Die Sonne kratzte noch nicht einmal am Horizont und es war erstaunlich ruhig im Haus.
Heute wurde ich 18.
Er öffnete mir und sah mich verschlafen an. Er war nackt und schien frisch dem Bett entkrochen zu sein. Müde schob er sich eine Hand durch das zerzauste Haar in dem noch immer eine Grassträhne von gestern hing.
Mein Blick traf seinen und ich wurde nahezu umgehend wütend, stieß die Tür auf, die jedoch durch seinen Fuß blockiert wurde. Das weckte ihn auf.
"Was ist los mit dir?!"
"Ich will trainieren!", herrschte ich ihn an.
"Ist ja gut... kein Grund mich so früh aus den Federn zu holen."
Man sagt gern... "Ein Blick sagt mehr als tausend Worte." ... und so muss es auch mein Blick getan haben, gemessen daran, wie er mich ansah, dann nur nickte, in seine Hose schlüpfte und mit mir nach draußen in den kleinen Garten ging. Das Haus schlief noch.

Wir stellen uns gegenüber auf und ich begann wie üblich mit den Schlägen. Erst Fäuste, dann Unterarme, Ellenbogen, dann wieder von vorn. Er blockte sie ab, fing sie ab und ich versuchte es stärker, energischer. Bis...
"Stopp!"
Ich schlug noch einmal nach ihm.
"Ich sagte Stop! Hörst du nicht?!"
Ich holte mit der Faust aus und hieb in seine Richtung. Er fing sie ab und hielt meine Hand fest.
"Was ist los mit dir?!" Seine eisblauen Augen sahen mich an und waren ein exakter Widerspruch zu seinem feuerroten Haar, das ihm noch immer ins Gesicht hin.
"Nichts!", war meine Antwort, doch er hielt meine Hand fest im Griff, als ich versuchte mich zu befreien.
"Das soll nichts sein? Rede mit mir verdammt nochmal. Oder willst du mir weismachen, ich merke das nicht?! Ich bin dein Freund verdammt!"
Ein bitteres Lachen, das mich in dem Moment, da ich es ausstieß selbst erschreckte, entring sich meiner Kehle. Ich verstummte.
"Was ist los mit dir...", seine Stimme wurde wieder so verflucht ruhig und sanft. Er zog mich mit einer einzigen Bewegung zu sich und legte mir seine kräftigen Hände auf die Schultern, sah mir in die Augen. Aber ich blieb stumm, sah zu Boden und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Die Bilder vom gestrigen Tag kamen wieder in mir hoch.
"Ist es, weil ich dir noch nicht gratuliert habe?"
Ich sah stur zu Boden, zuckte nicht einmal. Nein, das war es nicht.
"Hat dir das gestern nicht gefallen?"
Etwas schnürte mir die Kehle zu und ich riss mich mit einer geschickten Bewegung, wie er sie mir oft gezeigt hatte, von ihm los.
"Ach, lass mich in Ruhe. Ich hab genug trainiert.", warf ich ihm zu und verschwand für den Rest des Tages in meinem Zimmer.

~

Erst am Abend traute ich es mir wieder zu diesen Raum zu verlassen. Meine Eltern, Mutter und sogar Vater hatten versucht zu mir herein zu kommen, aber ich hatte es verneint. Kyrian war nicht gekommen. Und am Abend rief ich über eine Magd Mark zu mir und ging mit ihm gemeinsam zum Festplatz. Es war vor der Aufführung. Schon aus der Ferne sah ich im Abendrot den roten Schopf einer gewissen Person und rannte durch die Menge Mark davon und auf ihn zu. Er unterhielt sich gerade mit IHR. Wieder drückte er ihr einen Beutel mit Gold in die Hand und erntete dafür einen Kuss.
Die Wut, die ich den ganzen Tag hinüber unterdrückt hatte, bauschte sich in meiner Brust auf und begann zu kochen. Er drehte sich zu mir um und lächelte mich freundlich an. Sie hingegen sah zu mir und etwas in ihrem Blick verriet mir, dass sie etwas anderes sah als er.
Kyrian kam auf mich zu und legte freundschaftlich einen Arm um mich, während ich innerlich brodelte.
"Schön, dass du dich doch noch aus deinem Zimmer getraut hast. Willst du dir auch das Schauspiel ansehen?"
Ich war in der Lage zu nicken. Mehr jedoch nicht. Langsam führte er mich an den Leuten vorbei zu dem Platz in der ersten Reihe und wir setzten uns. Mark saß wie immer hinter uns und lehnte sich nach vorn zu uns um besser sehen zu können. Es war natürlich ein nettes Theater, so wie auch schon Tags zuvor. Doch diesmal schickte Kyrian mich nicht davon als es vorbei war. Er legte einen Arm um meine Schulter und boxte mir gegen den Arm. "Komm mit, ich hab was für dich. Zum Geburtstag. Vielleicht erheitert dich das etwas."
Mark blieb beim Festplatz und wir beide entfernten uns in Richtung ihres Wagens, den sie nach ihrem Auftritt betreten hatte. Er öffnete mir die Tür und machte eine einladende Handbewegung in das Zwielicht, das von außen kaum einsehbar war.
Aber ich blieb stehen. Er seufzte, verdrehte die Augen und trat in den Wagen hinein. "Komm schon. Trau dich. Keine Angst.", raunte er mir entgegen und lockte mich. Meine Wut war schon fast verraucht und ich wollte wirklich wissen was er mir schenken wollte. Vielleicht... aber nein, das war auch damals schon vollkommen abwegig für mich. Wie heute noch.
Als ich den Wagen betreten hatte, schloss er die Tür hinter mir und ich stand in der halb durchsichtigen Dunkelheit. Mir schlug das Herz bis zum Hals und etwas schnürte mir die Kehle zu. Ich schluckte um das Etwas zu entfernen, aber es half nichts. Direkt vor mir stand er, ich konnte ihn nur vage wahrnehmen, aber ich konnte ihn spüren und selbst durch den Duft von Blumen hier drinnen riechen.
Dann knarrte es, er bewegte sich und entfernte sich von mir.
Es raschelte und mir wurde bewusst, dass er etwas Stoff zur Seite geschoben hatte. Ein sanftes Licht drang durch den Raum und verhalf den Augen zu mehr Sicht. Und da erkannte ich es. Er stand vor einem Bett. Nun eher einer Schlafstätte aber durchaus gemütlich eingerichtet und auf ihr lag... sie. Der Engel mit der blassen Haut, dem goldenen Haar und den Bernsteinaugen. Sie sah mich an und lächelte, winkte mich zu sich.
Aber ich war nicht in der Lage mich zu rühren.
Das war es?! Das wollte er mir schenken?! Eine DIRNE? Nachdem er sie ausprobiert hatte?!

Ab diesem Moment ist meine Erinnerung nur sehr verschwommen. Sheluna hat mir auf der Reise aus Immerlund durch die Silbermarken gen Tiefwasser erzählt was geschah.

Ich soll bleich geworden sein. Und nur noch Kyrian angestarrt haben. Dann soll ich geschrien haben, ihn angeschrien. Er kam auf mich zu, hat versucht mich zu beruhigen, ich jedoch soll mich gewehrt haben. Dann kam es zu einem Kampf in ihrem Wagen. Er erwischte mich am Hemd und wollte mich festhalten. Jedoch stürmte ich aus dem Wagen heraus. Das Hemd zerriss. Kyrian rannte mir nach und rief meinen Namen als ich weglaufen wollte, also blieb ich stehen und drehte mich zu ihm herum. Ich öffnete meinen Mund und schrie ihn an: "Du bist blind Kyrian! Du siehst nicht einmal die Leute, die du verletzt um dich herum! Du denkst du kannst dir alles erlauben! Du denkst das ist alles nur ein Spiel!"
Ich drehte mich wieder weg und ging einen Schritt. Dann hielt ich inne und drehte mich zu ihm um. Ich hob meine Hand und deutete auf ihn. "Für mich, bist du TOT!", herrschte ich ihn an und ein schattenhafter Blitz schoss aus meinen Fingerspitzen auf seine Brust zu. Er starrte mich überrascht an. Alle anderen Leute hatten sich uns zugewandt und sahen, was ich nicht sehen konnte.
Auf meinem Rücken prangerte ein Symbol, tiefschwarz wie die Nacht und pulsierend. Es war ein fünfzackiger Stern, an dessen Spitze ein dämonisch anmutendes Zeichen leuchtete.
Kyrian brach zusammen und schon erschollen um mich herum die ersten Rufe, ich sei ein Dämon, davon besessen, eine Ausgeburt der Hölle, ein Teufel. Man rief die Wachen. Ich rannte, fort, weg von diesem Ort, in einen der kleinen Wälder innerhalb der Stadtmauern. Dort versteckte ich mich.

Am nächsten Morgen erwachte ich und lag in ihrem Bett. Sie hatte mir, zu ihrer eigenen Sicherheit die Hände gefesselt und den Mund mit einem Tuch verbunden. Ihr Blick ruhte auf mir und musterte mich.
"Es hinterlässt Spuren an dir."
Meine Stirn zog sich kraus und sie schüttelte den Kopf. Sie griff zur Seite und nahm einen Beutel auf, warf ihn zu mir aufs Bett.
"Deine Mutter muss dich sehr lieben. Sie hat uns gut bezahlt, dafür, dass wir dich von hier wegbringen. Sehr gut versteckt hast du dich auch nicht. Es war leicht dich aufzugreifen und zu finden. Jedoch für eure Wachen auch."
Sie erhob sich und kam auf mich zu, ging vor mir auf die Knie und strich mir mit ihren warmen Händen über die Wange.
"Du weißt nicht was du getan hast. Oder? Du weißt nicht warum du halb nackt bist. Nicht wahr?" Ich schüttelte den Kopf und sie erzählte es mir.Danach brach ich zusammen, es wurde alles schwarz, als ich begann zu begreifen und mich die Tränen der Wut, Trauer und Verzweiflung überkamen.

Was hatte ich nur getan...
Eintrag ende... Ich werde dies bei passender Gelegenheit weiter ausführen.

Ciel D'Enfer
The english version will come soon... someday... But I'll write it dual-languaged as soon as I find the time to do his first entry, which will be pretty soon! I promise!

The picture is colored by me, but drawn by the wonderful :iconsecretagentchris: :3
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May 3, 2010
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